Ein bisschen Geschichte

Präkolumbische Zeit // Spanische Herrschaft // Spanische und französische Herrschaft bis zur Unabhängigkeit Haitis // Santo Domingo // Saint Domingue // Haiti bis zur Unabhängigkeit der Dominikanischen Republik // Unabhängigkeit (Erste Republik) // Erneute Spanische Herrschaft // Restauration der Eigenstaatlichkeit (Zweite Republik) // Die Karibik am Ende des 19. Jahrhunderts // Amerikanische Besatzung // Einwanderung jüdischer Emigranten // 1961–2006

Präkolumbische Zeit

Bis 1492 lebten auf Hispaniola hauptsächlich die indianischen Völker der Arawak, Ciboney, Quisqueya und der Kariben. Man schätzt die Einwohnerzahl bei der Ankunft von Kolumbus auf 400.000 bis zu 1 Million.
Vielleicht der Höhepunkt der vorkolonialen Kulturgeschichte war die Kultur der Arawak, die aus Venezuela stammten und seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. über die Kleinen Antillen eingewandert waren. Um 1600 starben die Arawak aus.


Spanische Herrschaft

Am 5. Dezember 1492 entdeckte Christoph Kolumbus Hispaniola. Nach Goldlagerstätten forschend, entdeckte Kolumbus die Häfen von Valparaiso, Thomas, Punta Santa und errichtete vor seiner Rückkehr nach Europa in der Nähe des letzteren mit Hilfe der Eingeborenen Arawak aus den Trümmern des gestrandeten Schiffs Santa Maria ein kleines Fort, La Navidad, worin er eine Besatzung von 40 Mann zurückliess. La Navidad war die erste Kolonie Spaniens in Amerika.
Bei seiner Rückkehr nach Hispaniola am 28. November 1493, fand er das Fort in Trümmern; der Kazike Caonabo hatte – gereizt durch die Gewalttaten und Plünderungszüge der Spanier – das Fort zerstört und die Besatzung niedergemacht. Kolumbus liess daraufhin in einem Feldzug gegen die Arawak viele von ihnen versklaven und nach Spanien schicken, was nicht auf Zustimmung des spanischen Königspaares stiess. Die Spanier legten im Osten des Kap Montecristi im Januar 1494 die Stadt La Isabela an, von wo aus sie sich in den Besitz der reichen Goldminen von Cibao setzten und zur Sicherung derselben das Fort St. Thomas errichteten.
Als Kolumbus 1496 die Heimreise antrat, gründete sein Bruder Bartolomeo im Süden, an der Mündung des Flusses Ozama, eine neue Stadt, Santo Domingo, welche die Hauptstadt der Insel wurde und ihr (bzw. dem Ostteil) später ihren Namen gab. Seitdem La Isabela aufgegeben wurde, ist ist sie die älteste noch bestehende von Europäern gegründete Siedlung in Amerika.
Am 31. August 1498 erreichte Kolumbus erneut die Stadt Santo Domingo. Er versuchte, Streitigkeiten der Siedler mit seinem Bruder zu schlichten und verstärkte die Christianisierung sowie die Suche nach Gold.
Aufgrund negativer Berichte ersetzte der spanische Hof Kolumbus als Gouverneur durch Francisco de Bobadilla, der am 23. August 1500 Hispaniola erreicht. Er nahm Christoph und Bartolomeo Kolumbus gefangen und schickte sie in Ketten nach Spanien. Hier wurden die beiden Männer durch das Königspaar begnadigt, jedoch nicht wieder in ihre ehemaligen ämter eingesetzt.
Unter dem 1503 eingeführten „Encomienda“-System, das die Indios zur Zwangsarbeit verpflichtete, litten die Eingeborenen, von denen 1507 nur noch 60.000 lebten, sehr. Stärker dezimiert wurden sie jedoch durch aus Europa und Afrika eingeschleppte Seuchen, gegen die sie keine Abwehrkräfte hatten. Eine der Stätten dieses raschen Sterbens waren die von Francisco de Bobadilla aufgefundenen und von ihm sowie seinem Nachfolger Nicolás de Ovando ausgebeuteten Goldminen von San Cristoforo, die reiche Ausbeute lieferten.
Um diese Zeit brachte Pedro d'Atenza das Zuckerrohr von den Kanarischen Inseln nach Haiti, und Gonzalez gab den Impuls zum Plantagenbau. Zur deren Betreibung holte Ovando, da die einheimischen Indios bereits stark dezimiert waren, 40.000 Kariben von den Bahamas. Aber auch diese gingen infolge der Seuchen bald zu Grunde, worauf (ab 1503 oder 1505) schwarze Sklaven aus Afrika eingeführt wurden.
1509 wurde Diego Colón, der Sohn von Christoph Kolumbus, Gouverneur, später auch Vizekönig Hispaniolas. 1512 fand die Einweihung der Universität von Santo Domingo, der ersten Universität in der Neuen Welt, statt.
In der Zeit zwischen 1519 und 1533 erhoben sich die überlebenden Indios (etwa 4.000) unter ihrem Führer (Kaziken) Enriquillo (oder Enrico) erfolglos gegen die Spanier. Ihr Volk wurde in den folgenden Jahren und Jahrzehnten fast vollständig ausgerottet. Nach einem Friedensschluss auf Geheiss der Spanischen Krone überliessen ihnen die Spanier ein kleines Gebiet bei Boya bzw. Azua, ca. 100 Kilometer nordöstlich von Santo Domingo. Dass sich dort bis heute Nachkommen unter einem eigenen Kaziken erhalten haben, beruht aber eher auf einer Legende. Vielmehr vermischten sich die Indios mit den Mulatten und verloren mit der Zeit ihre kulturelle und ethinsche Identität. Anderen Berichten zufolge, starben sie schon im späten 16. Jh. durch eine Seuche aus.
Von 1537 bis 1548 kam es zudem zu Aufständen geflohener schwarzer Sklaven („Cimarrones“ genannt).
1542 lebten auf der Insel 200 Indios, 5.000 Spanier und 30.000 schwarze Sklaven.
1586 eroberte und plünderte der englische Freibeuter Sir Francis Drake die Stadt Santo Domingo. Ein weiterer englischer Angriff fand 1655 statt.
Ab 1625 setzten sich französische und englische Seeräuber (Bukanier oder Filibustier genannt) auf dem nahen, nördlich gelegenen Eiland Île de la Tortue (engl. Isle of Tortuga, „Schildkröteninsel“) fest. Sie wurden zwar später vertrieben, aber ein vorwiegend aus Franzosen bestehender überrest von ihnen siedelte sich als Pflanzer auf der menschenleeren Nordküste Hispaniolas an und bat Frankreich, sie gegen die Spanier zu unterstützen. Frankreich sandte daraufhin 1661 Dogeron als Gouverneur nach Hispaniola und gründete im westlichen Teil der Insel 1665 eine französische Kolonie, welche indes 1686 von den Spaniern zerstört wurde. Schon 1691 aber wurde eine neue französische Kolonie durch Ducasse gegründet. Im Frieden von Rijswijk verzichtete Spanien 1697 zugunsten Frankreichs auf den westlichen Teil („Saint Domingue“) der Insel.


Spanische und französische Herrschaft bis zur Unabhängigkeit Haitis

Der französische und der verbleibende spanische Teil Hispaniolas entwickelten sich sehr unterschiedlich.
1776 wurde die Grenze zwischen beiden Landesteilen reguliert (und damit in etwa auf den heutigen Stand gebracht).

Santo Domingo

In Santo Domingo lahmte die Entwicklung. Die Goldfunde, die viele Spanier in die Kolonie gezogen hat, gingen zur Neige. Viele Spanier zogen weg und diejenigen, die blieben, verarmten oft und liessen ihre Sklaven häufig frei. Von den 125.000 Einwohnern, die 1790 gezählt wurden, waren nur 15.000 Sklaven.
Am 22. Juli 1795 wurde zwischen Spanien und Frankreich der Friede von Basel beschlossen, in dem Spanien Santo Domingo Frankreich überlassen musste. Das Land wurde an das französische Saint Domingue angeschlossen, das die Oberhoheit über Santo Domingo jedoch nur theoretisch ausübte.
Am 26. Januar 1801 besetzte Toussaint L’Ouverture (auch mit Hilfe von Weissen) das (praktisch noch) spanische Santo Domingo. Die Sklaverei wurde abgeschafft.


Saint Domingue

Nach Saint Domingue wurden enorm viele Sklaven importiert, die entsprechend dem 1685 erlassenen Code noir gehalten wurden. Der Plantagenbau wuchs ungemein. Die Wirtschaft florierte, und die Kolonie gelangte nach dem spanischen Erbfolgekrieg bis 1714 zur höchsten kolonialen Blüte. Saint Domingue war zeitweise die reichste Kolonie Frankreichs. Bei einer Zählung 1788 lebten dort 455.089 Menschen, davon 27.717 Weisse (Oberschicht), 21.808 Mulatten (Mischlinge, meist frei, aber den Weissen gesellschaftlich nicht ebenbürtig), der Rest – knapp 90 % – Schwarze und zugleich Sklaven als die unterste Schicht.
Am 26. November 1749 wird Port-au-Prince gegründet und zur Hauptstadt gemacht.
Die Behandlung der Sklaven war offenbar sehr schlecht, jedenfalls gab es wiederholt Aufstände. Beispielsweise wurde im März 1758 der 18 Jahre zuvor geflohene Sklave Mackandal, der zahlreiche Aufstände angeführt hatte, zur Strafe lebendig verbrannt.
Am 19. Februar 1788 wurde die Société des Amis des Noirs (dt.: „Gesellschaft der Freunde der Schwarzen“) in Paris gegründet. Ihr Ziel ist die Abschaffung des Sklavenhandels und eine schrittweise Abschaffung der Sklaverei. Sie sollte ideologisch grossen Einfluss auf die Geschichte Saint Domingues gewinnen.
Angeregt durch die französische Revolution forderten die Weissen der Kolonie mehr Autonomie von Frankreich, die Mulatten ihre Gleichstellung mit den Weissen und die Sklaven ihre Freiheit.
Die zahlenmässig geringe weisse Bevölkerung Haitis (ca. 6 %) war durch die französische Revolution gespalten in „grosse“ und „kleine“ Weisse (Grundbesitzer und Gewerbsleute), Konstitutionelle und Monarchisten sowie in Anhänger und Gegner der Kolonialregierung.
Am 8. März 1790 erging der Beschluss über die Bildung von „Kolonialversammlungen“ (in denen nur Kolonisten, also Weisse, vertreten waren), die den Kolonien eine Art Autonomie ermöglichte. Mit Mulatten oder gar Schwarzen wollten die Weissen ihre Macht nicht teilen (man sprach von einer „entarteten Menschenrasse“).
Der Versuch der Mulatten unter der Führung von Vincent Ogé und Chavannes, ihre Forderungen durchzusetzen, endeten mit der Niederschlagung des Aufstandes im Oktober 1790 und der Folterung und Hinrichtung der beiden in Cap Français im Februar 1791.
Der 14. August 1791, als sich im Bois-Caïman, dem „Krokodilwald“ in der Nordebene des heutigen Haiti, mehrere Sklaven zu einer Voodoo-Zeremonie trafen, gilt als der Beginn des Aufstandes der Sklaven, der letztlich zur Unabhängigkeit Haitis führte. Der Aufstand brach am 22. oder 23. des Monats los und wurde von Boukman, Biassou und Jean-François angeführt. Er begann in der Umgebung von Cap Français und verbreitete sich unter schlimmen Verwüstungen und furchtbar blutigen Metzeleien nach der Einnahme von Cap Français durch die Schwarzen (21.–23. Juni 1793) über die ganze Kolonie. Die von Frankreich zur Ordnung der Angelegenheiten in die Kolonie entsandten Bevollmächtigten Polverél, Santhonax (die Schreibweise Sonthonax kommt auch vor) und Ailhaud, die im September 1792 ankamen, konnten und wollten nicht dagegen einschreiten. Vielmehr erliessen sie im August bzw. September 1793 die Abschaffung der Sklaverei.
In den folgenden Jahren der europäischen Koalitionskriege (auch Revolutionskriege genannt), insbesondere zwischen Frankreich und Grossbritannien, schaffte es Toussaint L’Ouverture (auch Louverture geschrieben), ein freigelassener Sklave und heutiger Nationalheld Haitis, der wenige Wochen nach Beginn des Aufstandes hinzu stiess, in wechselnden Allianzen eine weitgehende Selbstständigkeit der Kolonie zu erkämpfen.
Als 1793 die Spanier und Engländer mehrere Plätze der Kolonie besetzten, verband sich das Heer der Schwarzen mit dem der französischen Truppen, die unter General Lavaux zur Behauptung der Insel gelandet waren.
Die weissen Kolonisten wurden von den Insurgentengeneralen Rigaud und Toussaint schliesslich 1797 gezwungen, die Insel ganz zu verlassen, worauf das französische Direktorium am 4. Februar 1798 den Schwarzen in den französischen Kolonien völlige Freiheit und gleiche Rechte mit den Weissen bewilligte. Gleichzeitig wurde Toussaint zum Obergeneral aller Truppen auf Haiti ernannt. 1799 wurde er Gouverneur der Kolonie.
Von 1799 bis 1800 tobte ein Bürgerkrieg zwischen Schwarzen und Mulatten, in dem letztere unterlagen.
Toussaint besetzte nicht nur Santo Domingo sondern besiegte auch die englischen Freibeuter. Er strebte nach Unabhängigkeit von Frankreich und gab der Insel am 9. Mai 1801 (eine Quelle nennt Juli 1801) eine eigene Verfassung. Toussaint wurde dabei Gouverneur und Alleinherrscher auf Lebenszeit. Die Plantagen wurden wieder in Betrieb genommen und von ehemaligen Sklaven in Zwangsarbeit bewirtschaftet. Eine andere Quelle würdigt die wirtschaftlichen Massnahmen Toussaints als Landreform.
Napoléon Bonaparte schickte 1801 General Charles Victor Emmanuel Leclerc als Generalkapitän mit 25.000 Mann nach Haiti, wo er im Februar 1802 ankam. Toussaint widersetzte sich anfangs seiner Landung bei Cap François, musste sich jedoch bald ins Innere zurückziehen. Am 25. Februar 1802 wurde Santo Domingo besetzt und die Sklaverei wiederhergestellt, obwohl Bonaparte erst am 20. Mai 1802 die Wiedereinführung der Sklaverei in den französischen Kolonien erliess. Toussaint wurde am 6. oder 7. Juni 1802 gefangen genommen und nach Frankreich deportiert, wo er am 7. April 1803 in der Haft starb.
Geschickte militärische Operationen, eine britische Seeblockade und eine Gelbfieber-Epidemie machten den Interventionstruppen Napoléons jedoch schwer zu schaffen. Auch Leclerc starb daran. Sein Nachfolger wurde Rochambeau. Da die verbliebenen weissen Pflanzer die Sklaverei durchzusetzen suchten, kam es erneut zum Aufstand - diesmal unter dem schwarzen General Dessalines. Er besiegte am 18. November 1803 die Franzosen unter Rochambeau und fügte damit Napoléon seine erste Niederlage zu. Die Franzosen und anderen Weissen mussten die Insel räumen.


Haiti bis zur Unabhängigkeit der Dominikanischen Republik

Am 1. Januar 1804 proklamierte Jean-Jacques Dessalines die Unabhängigkeit von Saint Domingue (gefeiert wird heute in Haiti der Tag der Verfassungsgebung, der 9. Mai 1801, als Unabhängigkeitstag). Am selben Tag besetzten französische Truppen Santo Domingo, wo die Sklaverei wieder eingeführt wurde. Praktisch wurde damit nur der Westteil Hispaniolas unabhängig.
Das Land erhielt den Namen „Haiti“, die Selbstbezeichnung lautete damals „Erster Freier Negerstaat“. Aus dem vielleicht einzigen erfolgreichen Sklavenaufstand der Weltgeschichte ging damit die erste selbstständige (aber instabile) Nation Lateinamerikas hervor. Dessalines ist heute einer der Nationalhelden Haitis.
Dessalines entwarf eine Flagge, indem er einfach das Weiss der französischen Tricolore entfernte. Er ernannte sich selbst am 8. Oktober (oder Dezember) zum Kaiser Jakob I. (Empereur Jacques I) und erliess am 20. Mai 1805 eine neue Verfassung. Die meisten der im Lande verbliebenen Franzosen wurden ermordet. Die Plantagen wurden enteignet und aufgeteilt, besetzt oder verlassen. Die auf dem Export der Landwirtschaft beruhende wirtschaftliche Stärke Saint Domingues schwand. Das Ziel einer egalitären Gesellschaft, die Triebfeder der französischen Revolution und auch des haitianischen Freiheitskampfes war, wurde verfehlt. Die Mulatten wurden die neue Elite, die Schwarzen blieben weitgehend eine ungebildete und rechtlose Landbevölkerung.
1805 eroberte Haiti das seit einem Jahr unter französischer Herrschaft stehende Santo Domingo.
Dessalines Grausamkeit rief schon im folgenden Jahr eine Verschwörung unter dem Schwarzen Henri Christophe und dem Mulatten Alexandre Pétion hervor, durch welche er am 17. Oktober 1806 ermordet wurde. Mit seinem Tod endete auch das Kaisertum; Haiti wurde wieder Republik.
Als Führer des Freiheitskampfes (der Schwarzen) wurde auch Henri Christophe ein Nationalheld Haitis.
Alsbald brach auch die durch den gemeinsamen Hass gegen die Weissen in den Hintergrund gedrängte Rivalität zwischen Mulatten und Schwarzen offen aus und blieb fortan das Motiv aller inneren Kämpfe des neuen Staats. Pétion, als Anführer der Mulatten, und Christophe, als Anführer der Schwarzen, kämpften miteinander um die Oberherrschaft. Das Land spaltete sich in eine südliche Mulatten-Republik mit Pétion als Präsident an der Spitze und in einen nördlichen Staat (Nord-Haiti), dem Henri Christophe als ernannter Präsident vorstand.
Beide Staaten trennte ein breiter Landstrich, den man absichtlich unbebaut liess, und der bald, von Lianen und Dorngesträuch überdeckt, eine natürliche Grenze bildete.
1808 verlor Haiti die Herrschaft über Santo Domingo. Einer Ansicht nach eroberten die Spanier Santo Domingo zurück; einer anderen Ansicht nach konnten die spanischen Kreolen (einheimische Nachfahren von Spanier) von Santo Domingo mit britischer Unterstützung die Haitianer vertreiben, legten dann aber ihr Land wieder in spanische Hände.
Am 26. März 1811 verwandelte Christophe Nord-Haiti in eine erbliche Monarchie und liess sich unter dem Namen Henri I zum König krönen. Er ahmte auf lächerliche Weise den französischen Hofstaat nach und vergab inflationär komisch anmutende Titel, Hof- und Staatsämter. Schliesslich gab es vier Prinzen, acht Herzöge, 22 Grafen und eine grosse Anzahl von Angehörigen des niederen Adels.
Auf dem 945 Meter hohen Pic La Fernere liess er von über 200.000 Zwangsarbeitern die mächtigste Festung seiner Zeit ausserhalb Europas errichten. Zugleich erschien ein neues Staatsgesetzbuch (Code Henri).
Die Sklaverei blieb im Grunde die alte, nur trat an die Stelle der Peitsche der Säbel. Zwischen beiden Staaten (des Westteils) herrschte unversöhnliche Feindschaft, und nur in der Zurückweisung der nach dem Wiener Kongress erneuerten Ansprüche Frankreichs waren sie einig. Pétion gab am 2. Juni 1816 seiner Republik eine Verfassung, welche Abschaffung aller Sklaverei, Pressefreiheit etc. festsetzte. Nach Pétions Tod am 27. März 1818 versuchte Henri I. die Mulatten-Republik mit seinem Königreich zu vereinigen; allein der Mulatten-General Jean Pierre Boyer, der als Präsident Nachfolger Pétions geworden war, wusste diesen Versuch zu vereiteln. Henri I. selbst, welchen ein Aufruhr republikanisch gesinnter Mulatten in seinem Reich zu Grausamkeiten gereizt hatte, wurde immer verhasster, und im September 1820 brach ein Aufstand gegen ihn aus, der bald das ganze Reich erfasste und den Abfall seiner Truppen zur Folge hatte, worauf der König Henri I. sich am 8. Oktober 1820 erschoss. Hierauf fand, da sich das Heer dem Präsidenten Boyer unterwarf, am 26. November 1820 die Vereinigung beider Teile Haitis zu einer einzigen Republik statt.
Am 1. Dezember 1821 proklamierte José Núñez de Cáceres den „Unabhängigen Staat Spanisch-Haiti“ (Estado Independiente de Haití Español).
1822 kam es zum erneuten Anschluss Santo Domingos an Saint Domingue. Zu dem Ablauf gibt es zwei Ansichten: Der Plan von Cáceres, das Land Grosskolumbien unter Simón Bolívar anzuschliessen, scheiterte, weil die Mehrzahl der Schwarzen und Mulatten eine Union mit Haiti vorzog, wo die Sklaverei bereits abgeschafft war. Der Anschluss an Haiti (und Abschaffung der Sklaverei) erfolgte 1822. Möglich ist auch, dass Jean-Pierre Boyer, nachdem er Nord- und Süd-Haiti in seiner Macht hatte, mit den nun frei gewordenen militärischen Kräften 1822 Santo Domingo unterwarf und es am 8. Februar annektierte. Hauptmotiv war dabei die Verstaatlichung der spanischen Kirchengüter, die Sklavenbefreiung und die Einsetzung einer effizienteren nach französischem Vorbild ausgerichteten Landesverwaltung.
Die Republik Haiti wurde in der Folge von den meisten Staaten anerkannt. Nach mehreren vergeblichen Wiedereroberungsversuchen erkannte selbst Frankreich sie 1825 an, allerdings gegen eine an die ehemaligen Plantagenbesitzer zu zahlende Entschädigung von 150 Mio. Franc, die 1838 bei Gelegenheit des Abschlusses eines Handelsvertrags zwischen Frankreich und Haiti auf 60 Mio., in 30 Raten bis 1867 zu zahlen, herabgesetzt wurde. Dieser Betrag ruinierte die haitianische Wirtschaft.
Haiti musste zur Bezahlung der Schulden Steuern einführen, die langanhaltende Unzufriedenheit, besonders im spanisch geprägten Ostteil, verursachte. Insbesondere finanzierte Boyer sie durch Anleihen bei französischen Banken, und diese Auslandsverschuldung wurde chronisch.
Seit 1822 regierte Boyer nach der Verfassung vom 2. Juni 1816 als Präsident auf Lebenszeit, jedoch unter beständigem Zerwürfnis mit dem Repräsentantenhaus.
Im Frühjahr 1842 wurde Haiti von einem furchtbaren Erdbeben heimgesucht, das einige Städte fast vernichtete; besonders hart wurde die Stadt Cap-Haïtien betroffen. Boyer wurde 1843 durch eine von den Mulatten Dumesle und Herard Rivière geleitete Verschwörung gestürzt, ging nach Europa ins Exil, wo er 1850 in Paris verstarb.
Die siegreichen Parteihäupter teilten darauf die Stellen unter sich auf. Widerstand zeigte sich nur in dem spanisch geprägten Ostteil (Santo Domingo), weshalb Rivière eilig mit Truppen dahin zog, die vornehmsten Einwohner von Santo Domingo gefangennahm und eine Besatzung unter seinem Bruder, dem Obersten Leo Herard, zurückliess. Aber kaum wurde eine neue Verfassung eingeführt und hatte Rivière als Präsident die Macht übernommen, als im August 1843 im Ostteil wieder ein offener Aufstand ausbrach.
Am 27. Februar 1844 erkämpfte sich und proklamierte Santo Domingo als Dominikanische Republik (República Dominicana) seine Unabhängigkeit vom westlichen Landesteil Haiti.


Unabhängigkeit (Erste Republik)

Am 27. Februar 1844 trennte sich Santo Domingo von Haiti. Das Land erhielt den Namen Dominikanische Republik.
Juan Pablo Duarte, der zusammen mit Ramón Mella und Francisco Sánchez 1838 die Organisation "La Trinitaria" gründete, die sich für die Unabhängigkeit des Landes von Spanien einsetzte, der aber während der Besetzung seines Landes durch Haiti ins Exil musste, wurde die Präsidentschaft angeboten. Er strebte jedoch freie Wahlen an, wurde aber von Pedro Santana erneut ins Exil gezwungen. Santana wurde erster Präsident und blieb es bis 1861.
Von 1849 bis 1859 wurden in erbitterten Kriegen Rückeroberungsversuche Haitis abgewehrt.


Erneute Spanische Herrschaft

Von 1861 bis 1865 unterstellte Pedro Santana die Republik zur Abwehr neuer haitianischer Angriffe wieder der spanischen Verwaltung. Santana wurde Generalkapitän der wiederum spanischen Provinz Santo Domingo. 1863 begann ein Restaurationskrieg zur Wiedererlangung der Eigenstaatlichkeit.


Restauration der Eigenstaatlichkeit (Zweite Republik)

Am 3. März 1865 kam es zur erneuten Trennung von Spanien und zur endgültigen Unabhängigkeit der Dominikanischen Republik. 1871 scheiterte der Versuch, die Republik den Vereinigten Staaten anzuschliessen, an einer knappen Abstimmung im US-Kongress. 1874 schloss man einen Friedensvertrag mit Haiti.


Die Karibik am Ende des 19. Jahrhunderts

Von 1882 bis 1899 herrschte Ulises Heureaux als Diktator über den Staat. 1899 wurde er ermordet. Die Staatsverschuldung hatte zu dieser Zeit schon phantastische Ausmasse erreicht und wuchs noch weiter. Es folgten ruinöse Zustände und zahlreiche Regierungswechsel. 1905 und 1907 kam es schliesslich zu Militärinterventionen durch die USA, die sich 1907 der Finanzkontrolle des Landes bemächtigten. Diese Kontrolle wurde 1940 aufgehoben.


Amerikanische Besatzung

Von 1916 bis 1924 wurde die Dominikanische Republik durch die USA besetzt. Um 1920 zählte die Republik rund 1 Million Einwohner.


Einwanderung jüdischer Emigranten

Ende der 1930er Jahre öffnete der seit 1931 das Land regierende Diktator Rafael Trujillo sein Land für jüdische Emigranten aus Europa und bot diesen an, sich an der Nordküste, rund um die Gemeinde Sosúa, anzusiedeln. Insgesamt 100.000 Menschen wollte Trujillo aufnehmen, tatsächlich aber kamen bis Ende 1941, dem Kriegseintritt der USA, kaum mehr als 700 Juden aus Europa. Trujillo handelte nicht aus humanitären Gründen. Der Diktator, der nach Unruhen die Macht im Land mit Hilfe Washingtons erlangt hatte und im Gegenzug amerikanische Wirtschaftsinteressen in der Region unterstützte, war ein Rassist. Er hoffte mit Hilfe der Emigranten seine Bevölkerung "aufzuhellen". Davon ahnten die Flüchtlinge, die in sein Land kamen, jedoch zunächst nichts. Fast alle jüdischen Emigranten gelangten zufällig in die Dominikanische Republik. In vielen Fällen handelte es sich um Deutsche, die bis 1939 in Frankreich Asyl gefunden hatten. Im Frühjahr 1939 verweigerten die franzödischen Behörden – ohne Angabe von Gründen – vielen dieser jüdischen Emigranten eine Verländergung der Aufenthaltsgenehmigung. Eines der wenigen Länder, das diesen Menschen daraufhin Asyl anbot, war die Dominikanische Republik.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wanderten die meisten Flüchtlinge in die USA oder nach Israel aus, einige kehrten auch nach Deutschland zurück. In Sosúa gibt es allerdings bis heute eine kleine jüdische Gemeinde.


1961–2006

Überblick:
Weitere Unruhen seit 1961 (Tod Trujillos) beendeten die OAS/USA 1966 mit einem Einmarsch und der Militärregierung. Der danach gewählte Joaquin Balaguer blieb bis 1996 über drei Jahrzehnte ein führender Politiker seines Landes. Als Präsident löste ihn L. Fernandez Reyna ab. Die versprochene Beseitigung der Arbeitslosigkeit konnte er trotz Fortschritten in der Wirtschaftspolitik in seiner ersten Amtszeit nicht erreichen.
Bei der Präsidentschaftswahl 2004 trat er dann erneut, nun gegen seinen zwischenzeitlichen Nachfolger Hípólito M. Domínguez von 2000 an, den er schon im ersten Wahlgang besiegen konnte. Auch zwei Jahre nach seinem erneuten Machtantritt findet Präsident Leonel Fernández Reyna mit seinem Programm "Sicheres Viertel" ( = grössere Polizeipräsenz in den Armenvierteln) grosse Zustimmung in der Bevölkerung. Im Parlament konnte aber auch bei den Wahlen 2006 seine Partido de la Liberación Dominicana (PLD), Partei der Dominikanischen Befreiung, keine Mehrheit erringen. Er muss dort deshalb weiterhin gegen eine oppositionelle Mehrheit der sozialdemokratischen Revolutionären Dominikanischen Partei (Partido Revolutionario Dominicana, PRD) und der rechtskonservativen Sozialchristlichen Reformistischen Partei (Partido Reformista Social Cristiano, PRSC) regieren.


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